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Wie beweglich müssen wir wieder werden?

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Diese oder ähnliche Fragen bekomme ich immer wieder gestellt. Dabei ist die Beweglichkeit bei Anfängern nicht sehr wichtig. Durch unser Üben werden wir sowieso beweglich. Die Frage die ich mir selbst gestellt habe ist: Wie beweglich sollen wir werden?
Beweglichkeit hat etwas mit Freiheit zu tun. Denn wenn die Beweglichkeit eingeschränkt ist, ist ja damit auch die (Bewegungs-) Freiheit eingeschrägt. Wir brauchen aber auch Grenzen. Grenzen sind für unseren Schutz notwendig. Von Innen, genauso wie von Außen. Die anatomischen Grenzen werden im Groben durch Gelenkanschläge, Muskeln und Bänder gegeben. Durch das Dehnen der Muskeln und Bänder wird die Beweglichkeit erhöht und durch Muskelaufbau wird sie vermindert. (Diese Beschreibung ist nur sehr grob, aber in diesem Abschnitt ausreichend.)
Wenn wir nun die Beweglichkeit sehr stark erhöhen, kann es dazu kommen, dass z.B. Gelenke verletzt werden. Auf der anderen Seite ist eine Beweglichkeit auch sehr wichtig. Unsere Gelenke werden mit Gelenkflüssigkeit geschmiert, und durch die Bewegung sauber gehalten. Wenn schon Erkrankungen wie Rheuma oder Artritis vorliegen, ist eine kontrollierte Bewegung sehr wichtig und kann den Krankheitsverlauf sehr stark positiv verändern. Wenn unsere Bewegung eingeengt ist, werden die Gelenke nicht in Ordnung gehalten. Die Folge können Ablagerungen sein und im schlimmsten Fall können Erkrankungen wie Gicht auftreten. Unsere Gelenke sind gegen Verschleiß und Beschädigungen geschützt. Dieser Schutz kann z.B. eine Bandscheibe sein, oder aber ein Film von Gel oder Flüssigkeit zwischen den Knochen. Bei den Bandscheiben und auch bei den Menisken ist es wichtig, dass es eine Ruhezeiten gibt, in den die Gelenke keiner Beanspruchung unterliegen. In dieser Ruhezeit können sich die Menisken und Bandscheiben wieder regenerieren. Das geschieht zum Teil durch das Wiedervollsaugen mit Flüssigkeiten, die auch Nährstoffe enthalten. Durch die Belastung der Gelenke kommt es ja zu einem Auspressen der Bandscheiben und Menisken. Dieses Auspressen und Wiedervollsaugen hält das Material geschmeidig und durch den Austausch gereinigt. Nährstoffe gelangen in den Gelenkbereich. Nun muss aber auch diese Flüssigkeit ausgetauscht werden. Dies wird durch die Gelenkbewegung unterstützt.

Auf der anderen Seite ist ein überflexibles Gelenk zu hohen Beanspruchungen ausgesetzt. Die Verhältnisse in den Gelenken werden nachteilig verändert. Es kann zum Verschleiß führen. Bei der Betrachtung ist auch immer das Zusammenspiel der Gelenke zu sehen. Eine Bewegung im Gelenk wird im allgemeinen auch immer eine Bewegung in anderen Gelenken nach sich ziehen. Wenn wir uns die Wirbelsäule bei einer Haltung anschauen, die nach hinten ausgerichtet ist, so werden mehrere Wirbel diese Bewegung ausführen. Wenn der Bereich zwischen zwei Wirbeln eingeengt ist, müssen die anderen Bereiche diese Bewegung mit übernehmen. Das kann zu schweren Problemen führen. Eine Verletzung daraus kann ein Bandscheibenvorfall sein. Nach meiner Erfahrung ist ein Bandscheibenvorfall sehr oft das Resultat von ungleicher Beanspruchung der Wirbel, die durch die eben beschriebenen unterschiedlichen Beweglichkeiten herrühren. Die Gründe für die Einschränkung der Bewegungsfreiheit sind sehr unterschiedlich, und die Folgen sind nicht immer an dem Ort der Einschränkung zu finden (siehe Ursache und Wirkung). Das ist ein Grund dafür, weshalb B.K.S. Iyengar in seinem Buch "Der Baum des Yoga" schreibt, wir müssen von "weitem" uns an die Probleme herantasten. Ich tendiere dazu, die Beweglichkeit der Gelenke zu erhöhen, und gleichzeitig die Festigkeit mit Muskelaufbau zu fördern, damit der Körper mit der neuen Freiheit zurecht kommt.

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